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Kubernetes 1.36 · OpenShift 4.21/4.22 · Stand 09/2026

CNI-Vergleich 2026:
Datapath, Features, Einsatzgebiet

Cilium, Calico, OVN-Kubernetes, Kube-OVN, Antrea, Flannel und Canal im Profil. Neun Abschnitte von der Frage, was ein CNI überhaupt tut, über die drei Datapath-Familien bis zur Entscheidungshilfe und den typischen Migrationsfallen.

0KurzfassungJedes CNI in einem Satz 1Was ein CNI tutSechs Aufgaben 2Datapath-Familiennftables, eBPF, OVS 3Die KandidatenSieben Profile 4VergleichstabelleZwölf Kriterien 5Plattform-KontextWer bringt was mit 6Policy-LandschaftStandard gegen CRDs 7EntscheidungshilfeP-A-K 8BetriebSieben Fallen
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Kurzfassung

Sieben Kandidaten, jeder in einem Satz. Wer wenig Zeit hat, liest nur diesen Abschnitt und Abschnitt 7.

CNIIn einem Satz
CiliumeBPF-Komplettpaket: Netzwerk, kube-proxy-Ersatz, L7-Policy, Observability, Gateway API.
CalicoDer Allrounder mit wählbarem Datapath (nftables, eBPF, …) und nativem BGP.
OVN-KubernetesOVS/OVN-basiert, Default in OpenShift, stark bei Multi-Tenancy (UDN) und BGP/EVPN.
Kube-OVNSDN-Denke im Cluster: VPCs, Subnetze, Underlay-VLANs, KubeVirt-freundlich.
AntreaOVS-basiert, sauberes Tiered-Policy-Modell, gute Windows-Unterstützung, Broadcom-Umfeld.
Flannel / CanalMinimal: Overlay ohne (Flannel) bzw. mit Calico-Policies (Canal). Default in k3s bzw. RKE2.
Faustregel: Die Plattform entscheidet zuerst, die Anforderung danach. Wer OpenShift fährt, fährt OVN-Kubernetes. Wer frei wählt, landet meist bei Cilium oder Calico.

Versionsstand dieses Artikels

Kubernetes 1.36 · Cilium 1.20 · Calico 3.32 · OpenShift 4.21/4.22 · Antrea 2.x · RKE2 mit Canal-Default. CNI-Projekte veröffentlichen schnell und entfernen auch in Minor-Releases Features – vor jedem Upgrade die Release Notes lesen.

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Was ein CNI eigentlich tut

Die CNI-Spezifikation selbst ist nur die Steckdose. Alles, worüber man beim Vergleich streitet, ist Zusatzleistung des jeweiligen Projekts.

Das Pod-Netz als Postsystem

AufgabePost-AnalogieTechnik
IPAMHausnummern vergebenPod-CIDR pro Node oder Cluster-Pools
DatapathStraßen und SortierzentrenRouting, Bridge, Overlay (VXLAN/Geneve), eBPF, OVS
NetworkPolicyPförtner mit Zugangslisteiptables/nftables-Regeln, eBPF-Maps, OVS-Flows
Service-Load-BalancingWeiterleitungsstelle für Sammeladressenkube-proxy oder CNI-eigener Ersatz
VerschlüsselungBrief im versiegelten UmschlagWireGuard, IPsec
ObservabilitySendungsverfolgungFlow-Logs, Hubble, Traceflow, ovn-trace

Die Spezifikation ist nur die Steckdose

Kubelet bzw. Container-Runtime rufen beim Pod-Start ein Binary mit ADD auf, beim Löschen mit DEL. Mehr schreibt die CNI-Spezifikation nicht vor. Policies, Load-Balancing, BGP, Verschlüsselung – all das ist Eigenleistung des Plugins und der Grund, warum die Projekte so unterschiedlich ausfallen.

CNI verbindet den Pod. Alles andere verkauft das Plugin extra.
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Die drei Datapath-Familien

Der Datapath bestimmt Performance, Debugging-Werkzeuge und Kernel-Anforderungen stärker als jedes Feature-Häkchen. Er ist die eigentliche Entscheidung.

iptables / nftables · der Türsteher mit Gästeliste

Bild: Bei iptables liest der Türsteher die Liste von oben nach unten, bei nftables ist sie nach Namen sortiert (Sets und Maps).

  • iptables skaliert linear mit der Anzahl Regeln und Services, nftables deutlich besser.
  • kube-proxy hat einen nftables-Modus (GA seit Kubernetes 1.33); IPVS ist deprecated – neue Cluster sollten nicht mehr darauf aufsetzen.
  • Debugging: nft list ruleset, iptables-save, conntrack -L – vertraut, aber bei tausenden Regeln unübersichtlich.
eBPF · der Chip am Eingang

Bild: Ein Chip scannt den Stempel. Hash-Lookup statt Liste – die Kosten bleiben fast konstant, egal wie viele Services existieren.

  • Programme hängen an tc, XDP, cgroup-Hooks oder Sockets. Service-Auflösung passiert oft schon beim connect(), nicht erst pro Paket.
  • Voraussetzung: moderner Kernel (Richtwert 5.10+, RHEL-Kernel mit Backports gelten als äquivalent).
  • Debugging: bpftool, Hubble, cilium-dbg, calico-bpf – mächtig, aber neue Werkzeuge lernen.
Open vSwitch / OVN · der programmierbare Rangierbahnhof

Bild: OVS schaltet Weichen anhand von Flow-Tabellen, OVN schreibt den zentralen Fahrplan (logische Switches, Router, ACLs) und übersetzt ihn in Flows pro Node.

  • Stark bei SDN-Konzepten: logische Router, VRFs, Tenants, Underlay-Anbindung, Hardware-Offload.
  • Debugging: ovn-trace, ovnkube-trace, ovs-ofctl dump-flows – präzise, aber steile Lernkurve.

Overlay gegen natives Routing

ModusBildOverheadWann
Overlay (VXLAN/Geneve/IPIP)Brief im Brief20–100 Byte pro Paket, MTU sinktUnterlay ist fremd oder nicht steuerbar
Native Routing / BGPEchte Adresse im Telefonbuch des RechenzentrumskeinerNetzwerkteam spielt mit, Pod-IPs sollen von außen erreichbar sein

MTU-Richtwerte bei 1500er Unterlay: IPIP −20, VXLAN −50, Geneve (OVN-K) −100, WireGuard −60 (IPv4) bzw. −80 (IPv6).

Verschlüsselung und Overlay addieren sich. Wer Geneve mit WireGuard kombiniert, verliert 160 Byte – das ist die häufigste Ursache für „kleine Requests gehen, große hängen“.
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Die Kandidaten im Profil

Jeweils Stand, Stärken, Schwächen und typischer Einsatz. Die Merksätze am Ende jedes Profils sind das, was hängenbleiben soll.

Cilium · das eBPF-Komplettpaket

Stand: 1.20 (Juli 2026), unterstützt werden jeweils die drei letzten Minor-Releases (1.18–1.20). CNCF Graduated. Kommerziell: Isovalent (Cisco).

Stärken

  • Vollständiger kube-proxy-Ersatz in eBPF, inklusive Maglev, DSR, Socket-LB.
  • Hubble: Flow-Observability bis L7, ohne Sidecar.
  • L7-Policies (HTTP, gRPC, Kafka, DNS/FQDN) über einen Envoy pro Node.
  • Gateway API und Ingress eingebaut; 1.20 ergänzt unter anderem ExternalAuth sowie TCPRoute und UDPRoute.
  • BGP Control Plane, Cluster Mesh (Multi-Cluster), Egress Gateway, WireGuard/IPsec.
  • Schrittweise Migration von anderen CNIs Node für Node möglich.

Schwächen

  • Viele Schalter, viele Wechselwirkungen. Kube-proxy-Ersatz, Routing-Modus und Encryption müssen zusammenpassen.
  • Kernel-abhängig; exotische oder gehärtete Kernel können Features verhindern.
  • Envoy und BPF-Maps kosten Speicher pro Node.
  • Einige Enterprise-Features (erweiterte Hubble-UI, Timescape) nur in Isovalent Enterprise.

Typischer Einsatz: Greenfield auf Vanilla, RKE2 oder Talos, Managed Clouds (GKE Dataplane V2 und AKS nutzen Cilium unter der Haube), Umgebungen mit hohem Observability- und Zero-Trust-Anspruch.

Cilium ist das Schweizer Taschenmesser – man muss wissen, welche Klinge offen ist.
Calico · der Baukasten mit austauschbarem Motor

Stand: 3.32 (April 2026, passend zu Kubernetes 1.36). Open Source (Apache 2.0), nicht CNCF. Kommerziell: Calico Enterprise/Cloud.

Stärken

  • Wählbarer Datapath: iptables, nftables (GA seit 3.31), eBPF, VPP, Windows HNS – Wechsel per linuxDataplane in der Installation-CR.
  • BGP als Kernkompetenz (BIRD): Pod-IPs ohne Overlay ins Rechenzentrum routen.
  • Tiered Policies, GlobalNetworkPolicy, Host-Endpoint-Schutz.
  • Observability-UI Whisker mit Flow-Aggregator Goldmane (seit 3.30).
  • 3.32: KubeVirt-Live-Migration mit IP-Persistenz, sidecarlose mTLS via Istio Ambient, eBPF-Maglev.
  • Beste Windows-Unterstützung unter den großen CNIs.

Schwächen und Breaking Changes

  • AdminNetworkPolicy und BaselineAdminNetworkPolicy sind in 3.32 entfernt; vor dem Upgrade auf ClusterNetworkPolicy migrieren.
  • calico-apiserver ist deprecated, Ersatz sind native v3-CRDs.
  • L7-Features im OSS-Teil schmaler als bei Cilium.

Typischer Einsatz: On-Prem mit BGP-Anbindung, gemischte Linux/Windows-Cluster, Teams, die schrittweise von iptables zu nftables oder eBPF wollen.

Calico ist der Baukasten: gleiche Policies, austauschbarer Motor.
OVN-Kubernetes · das Netz, das OpenShift mitbringt

Stand: Default-CNI in OpenShift (OpenShift SDN ist seit 4.17 entfernt). Upstream-Projekt ovn-kubernetes, Hauptträger Red Hat.

Stärken

  • Geneve-Overlay, Service-LB direkt in OVN – OpenShift kommt ohne kube-proxy aus.
  • User-Defined Networks (UDN/CUDN): echte Netzwerk-Isolation pro Namespace, Layer2-/Layer3-/Localnet-Topologien, überlappende CIDRs möglich.
  • RouteAdvertisements: Pod-Netz, CUDNs und EgressIPs per BGP (FRR-K8s) ins Provider-Netz annoncieren; OpenShift 4.22 ergänzt BGP-EVPN für primäre CUDNs.
  • EgressIP, EgressFirewall, AdminNetworkPolicy, IPsec, Hardware-Offload.
  • Sehr gut mit OpenShift Virtualization (Layer2-UDN für VM-Live-Migration).

Schwächen

  • Außerhalb von OpenShift wenig verbreitet, kaum Hersteller-Support.
  • Debugging erfordert OVN-Wissen (logische Switches, Router, ACL-Tiers).
  • Geneve kostet 100 Byte MTU.

Typischer Einsatz: OpenShift – Punkt. Alternativen sind dort nur als zertifizierte Partner-CNIs mit eigenem Support-Vertrag sinnvoll.

OVN-K ist das Fundament des Hauses – man tauscht es so selten wie eines.
Kube-OVN · die kleine OpenStack-Netzwelt

Stand: CNCF Sandbox. Ebenfalls OVN/OVS, aber mit anderem Ziel als OVN-Kubernetes.

Stärken

  • VPC-Modell: Tenants mit eigenen Adressräumen, NAT-Gateways, EIPs, Security Groups.
  • Subnetze pro Namespace, statische IPs, Underlay-/VLAN-Modus ohne Overlay.
  • KubeVirt-Live-Migration ohne Verbindungsabbruch.
  • Kann als Secondary CNI neben Cilium oder Calico laufen (via NAD).
  • DPDK, OVS-Hardware-Offload, Traffic-Mirroring, kubectl ko für Diagnose.

Schwächen

  • Hohe Komplexität, SDN-Kenntnisse vorausgesetzt.
  • Community und Hauptentwickler stark im chinesischen Raum; in Europa wenig kommerzieller Support.

Typischer Einsatz: Private-Cloud- und IaaS-Plattformen auf Kubernetes, VM-lastige Umgebungen, Underlay-Anbindung an bestehende VLANs.

Kube-OVN baut dir eine kleine OpenStack-Netzwelt in den Cluster.
Antrea · Firewall-Denke auf OVS

Stand: 2.x, CNCF Sandbox. Hauptträger Broadcom (ehemals VMware).

Stärken

  • OVS-Datapath, eigener Proxy (AntreaProxy) als kube-proxy-Ersatz.
  • Tiered Policy-Modell (ClusterNetworkPolicy, Prioritäten, Node-Policies) – gut für Security-Teams mit Firewall-Hintergrund.
  • Traceflow: Paketpfad inklusive Policy-Entscheidungen simulieren.
  • Gute Windows-Unterstützung, Egress-Gateways, Multi-Cluster, IPsec/WireGuard.

Schwächen

  • Momentum außerhalb des VMware/Broadcom-Ökosystems gering.
  • Kleinere Community, weniger Drittanbieter-Integrationen.

Typischer Einsatz: vSphere Kubernetes Service und Tanzu-Umfeld, Windows-lastige Cluster.

Antrea ist die Firewall-Denke auf OVS – solide, aber zuhause im Broadcom-Haus.
Flannel und Canal · das Kabel und das Kabel mit Pförtner

Flannel

  • Nur Pod-Konnektivität: VXLAN, host-gw oder WireGuard. Keine NetworkPolicies.
  • Default in k3s. Klein, schnell verstanden, kaum Betriebsaufwand.
  • Nicht für gehärtete oder Compliance-Umgebungen.

Canal

  • Flannel für den Transport zwischen Nodes, Calico für Policies auf dem Node.
  • Default-CNI in RKE2. Solider Einstieg, NetworkPolicies funktionieren.
  • Grenzen: kein BGP, kein eBPF, keine Windows-Nodes, Observability minimal.
Flannel ist das Kabel, Canal ist das Kabel mit Pförtner.
Abgekündigt oder Randnotiz
  • Weave Net: seit dem Ende von Weaveworks (2024) praktisch ohne Pflege – migrieren.
  • OpenShift SDN: entfernt seit OpenShift 4.17.
  • Multus: kein Primär-CNI, sondern Meta-Plugin für zusätzliche Interfaces (SR-IOV, macvlan, VLAN). In RKE2 und OpenShift mitgeliefert.
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Vergleichstabelle

Zwölf Kriterien über alle sieben Kandidaten. Auf schmalen Bildschirmen seitlich scrollbar.

KriteriumCiliumCalicoOVN-KKube-OVNAntreaCanalFlannel
DatapatheBPFnftables / iptables / eBPF / VPPOVS/OVNOVS/OVNOVSiptables + Linux-RoutingLinux-Routing
OverlayVXLAN, Geneve, nativeIPIP, VXLAN, keins (BGP)GeneveGeneve, VXLAN, UnderlayGeneve, VXLAN, GREVXLANVXLAN, host-gw
kube-proxy-Ersatzja, vollständigja (eBPF-Modus)ja (OVN-LB)ja (OVN-LB)ja (AntreaProxy)neinnein
Erweiterte PoliciesCNP/CCNP, FQDN, L7Tiers, GNP, ClusterNetworkPolicyANP, EgressFirewallSecurity Groups, ACLTiers, ACNPCalico-Basiskeine
L7-Policyja (Envoy)über Istio Ambientneinneineingeschränktneinnein
VerschlüsselungWireGuard, IPsecWireGuardIPseceingeschränktIPsec, WireGuardWireGuard (Flannel)WireGuard
BGPjaja (Kernfeature)ja (FRR-K8s, EVPN)jajaneinnein
ObservabilityHubbleWhisker / GoldmaneNetwork Observability Operator (OCP)Metriken, Mirror, kubectl koTraceflow, Flow-Exporterminimalminimal
Windows-Nodesnein (praktisch)jaja (Hybrid-Overlay, OCP)neinjaneinja
KubeVirt / VMsbegrenztja (3.32 Live-Migration)stark (UDN)starkbegrenztneinnein
GovernanceCNCF Graduated, Isovalent/CiscoTigeraRed HatCNCF SandboxCNCF Sandbox, BroadcomSUSE (RKE2)Community
Lernkurvehochmittelhochhochmittelniedrigsehr niedrig
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Plattform-Kontext

Die erste Frage ist nicht „welches CNI ist das beste“, sondern „was bringt meine Plattform mit und was unterstützt der Hersteller“.

PlattformDefaultRealistische Alternativen
OpenShiftOVN-KubernetesCilium/Calico nur als zertifizierte Partner-CNIs
RKE2CanalCilium, Calico, Flannel mitgeliefert; cni: in /etc/rancher/rke2/config.yaml; Multus zusätzlich
k3sFlannelbeliebig mit --flannel-backend=none
kubeadm / Taloskeinerfreie Wahl, meist Cilium oder Calico
GKEDataplane V2 (Cilium)–
AKSAzure CNI (Option: powered by Cilium)–
EKSAmazon VPC CNICilium/Calico im Chaining- oder Overlay-Modus
RKE2-Hinweis: Nur Calico und Flannel unterstützen dort Windows-Nodes. Wer Cilium mit kube-proxy-Ersatz nutzt, setzt zusätzlich disable-kube-proxy: true.
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Policy-Landschaft 2026

Der Standard kann wenig, die CNI-eigenen CRDs können viel – und binden an das Plugin. Die Mischung entscheidet darüber, ob ein CNI-Wechsel später machbar bleibt.

Drei Ebenen

  • NetworkPolicy (networking.k8s.io/v1): kleinster gemeinsamer Nenner – nur L3/L4, nur Namespace-Scope, kein explizites Deny.
  • Cluster-weite Policies (network-policy-api): AdminNetworkPolicy und BaselineAdminNetworkPolicy werden upstream zu ClusterNetworkPolicy zusammengeführt. Calico hat ANP/BANP in 3.32 bereits entfernt – bei anderen CNIs den Migrationspfad pro Release prüfen.
  • CNI-eigene CRDs (CiliumNetworkPolicy, Calico GlobalNetworkPolicy, Antrea ClusterNetworkPolicy, OVN-K EgressFirewall): bieten mehr, binden aber an das Plugin.
Faustregel: Baseline mit Standard-NetworkPolicy und Default-Deny pro Namespace. CNI-eigene CRDs nur für das, was der Standard nicht kann – FQDN, L7, Cluster-Scope. So bleibt ein CNI-Wechsel machbar.
Compliance-Bezug: Anforderungen wie BSI APP.4.4 zur Netzsegmentierung setzen durchgesetzte Policies voraus. Flannel allein erfüllt das nicht.
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Entscheidungshilfe

Drei Fragen in fester Reihenfolge. Die erste erledigt die meisten Fälle bereits.

Der Entscheidungsbaum

Plattform vorgegeben? OpenShift OVN-Kubernetes frei wählbar NetworkPolicy nötig? nein Flannel Lab, Edge, Demo ja Wichtigste Anforderung? eine auswählen Cilium L7-Policy, Observability, kube-proxy-Ersatz, Gateway API Calico BGP ins Rechenzentrum, Windows-Nodes, Datapath-Wahl Kube-OVN VMs, VPCs, Underlay-VLAN Antrea Broadcom- / vSphere-Umfeld Canal RKE2-Default genügt

Die drei Fragen in Reihenfolge

  1. PlattformWas bringt sie mit, was unterstützt der Hersteller?
  2. AnforderungL7, BGP, VMs, Windows, Compliance?
  3. KönnenWer debuggt das nachts um drei? eBPF- und OVN-Wissen sind nicht selbstverständlich.
P-A-K: Plattform, Anforderung, Können – in genau dieser Reihenfolge.
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Betrieb und Migration: typische Fallen

Sieben Fehlerbilder, die im Betrieb und beim Wechsel immer wieder auftreten – die meisten melden sich nicht mit einer klaren Fehlermeldung.

FalleSymptomGegenmaßnahme
MTU falschkleine Requests gehen, große hängen (TLS-Handshake, Uploads)Overlay- und Encryption-Overhead addieren, Path-MTU testen (ping -M do -s …)
kube-proxy doppeltServices flappen, doppelte NAT-RegelnBei kube-proxy-Ersatz kube-proxy wirklich entfernen, Reste mit kube-proxy --cleanup beseitigen
Kernel zu alteBPF-Features fehlen still oder Agent startet nichtKernel-Matrix des CNI vor dem Rollout prüfen
Big-Bang-CNI-WechselTotalausfall des Pod-NetzesNode-weise Migration (Cilium-Migrationsmodus, Calico-Migration) oder neuen Cluster aufbauen
CNI-eigene CRDs überallWechsel wird zum RewriteStandard-NetworkPolicy als Baseline
Breaking Changes im MinorPolicies greifen nach dem Upgrade nicht mehrRelease Notes lesen – Beispiel: Calico 3.32 entfernt ANP/BANP
Air-gappedImages für Agent, Operator, Envoy, Hubble fehlenVollständige Image-Liste aus dem Helm-Chart ziehen und spiegeln
Ein CNI-Wechsel ist ein Umzug bei laufendem Betrieb – erst Adressen und Wege klären, dann Möbel tragen.