Überblick: Zweck des Formulars
Bei einer Disconnected-Installation gibt es kein Internet als Rückfallebene. Alles, was der Cluster braucht, muss der Kunde vorher bereitstellen – das Formular sammelt genau diese Punkte ein.
Warum die Vorbereitung hier alles ist
Bei einer connected Installation zieht sich OpenShift Images, Updates und Kataloge selbst aus dem Internet. Disconnected fällt das weg: DNS, NTP, Registry, Zertifikate und Zugangsdaten müssen vor dem Installationstermin stehen und getestet sein. Das Formular ist deshalb zweigeteilt – der Kunde füllt aus bzw. hakt ab, der System Engineer (SE) prüft technisch und gibt frei.
- AusfüllenKunde trägt Eckdaten, Nodes, Netzwerk und Registry ein (Abschnitte B–H des Formulars).
- AbhakenKunde bestätigt getestete Voraussetzungen: DNS in beide Richtungen, NTP erreichbar, Reservierungen angelegt.
- FreigebenSE prüft technisch, beide unterschreiben (Abschnitt M) – erst dann steht der Installationstermin.
Die Clusterdomain als Fundament
Aus Cluster-Name und Base Domain entsteht die Clusterdomain: <Cluster-Name>.<Base Domain>, z. B. mycluster.myorg.com. Alle DNS-Records in Abschnitt 3 leiten sich daraus ab – wer diese beiden Werte spät ändert, muss DNS, Zertifikate und Konfiguration neu machen.
Cluster-Eckdaten: Topologie, Methode, Umgebung
Drei Entscheidungen bestimmen den gesamten Rest: Wie viele Nodes, welche Installationsmethode, wie disconnected ist die Umgebung wirklich.
Topologie
| Variante | Nodes | Wofür |
|---|---|---|
| Single-Node (SNO) | 1 | Edge, kleine Standorte – keine Redundanz |
| Compact | 3 | Master und Worker auf denselben drei Nodes |
| Standard-HA | 3 + n | 3 Master plus separate Worker |
Installationsmethode
- Agent-based Installer – Empfehlung, disconnected-fähig
- Manuell / UPI – Boot-Image, PXE, maximale Kontrolle
- Assisted Installer – Web-UI, aber nur connected
- IPI – Full-stack Automation, braucht passende Plattform
Umgebung
- Vollständig disconnected (air-gapped) – Transfer nur per Datenträger
- Eingeschränkt – Proxy oder Bastion-Host mit Internetzugang spiegelt direkt in die lokale Registry
Die Antwort entscheidet über den Spiegel-Weg in Abschnitt 4.
Hardware und Nodes
Pro Node eine Zeile im Formular: Hostname, Rolle, MAC, IP, Install-Disk. Jede dieser Angaben wird beim Boot wirklich gebraucht.
Was pro Node feststehen muss
| Feld | Wozu |
|---|---|
| Hostname (FQDN) | Muss zu den DNS-Records aus Abschnitt 3 passen |
| Rolle | master oder worker |
| MAC-Adresse | Für DHCP-Reservierungen bzw. Node-Zuordnung im Installer |
| IP-Adresse | Fest – per DHCP-Reservierung oder statisch |
| Install-Disk | Ziel-Device für RHCOS, z. B. /dev/sda |
SNO-Minimum laut Formular: 8 vCPU, 16 GiB RAM, 120 GiB Disk.
/dev/sda statt /dev/sdb) auf die falsche Platte – die Installation läuft trotzdem sauber durch, nur eben auf dem falschen Datenträger.Netzwerk, DNS und Zeit
Diese Dienste müssen vor der Installation stehen – der Installer richtet sie nicht ein, er setzt sie voraus.
Netzwerk-Basisdaten
- Machine-Network (CIDR), Default Gateway, ggf. VLAN
- DNS-Server und NTP-Server (IP bzw. FQDN) – NTP muss von allen Cluster-Nodes erreichbar sein
- IP-Vergabe: DHCP mit statischen MAC-Reservierungen (Empfehlung) oder statisch per Nmstate
Falls DHCP: Reservierungen für alle Nodes aus Abschnitt 2 müssen vor dem Termin angelegt sein.
Die drei Pflicht-Records
| Record | Zweck |
|---|---|
| api.<cluster>.<domain> | Kubernetes-API, extern und intern erreichbar |
| api-int.<cluster>.<domain> | Interne API, von allen Cluster-Nodes erreichbar |
| *.apps.<cluster>.<domain> | Wildcard für Ingress/Routen – Console und Apps |
Dazu kommen A-Records für alle Nodes (Forward) und PTR-Records in der Reverse-Zone. Beides ist Pflicht, beides muss vor dem Termin mit dig/nslookup in beide Richtungen getestet sein.
Lokale Registry und Mirror-Host
Die lokale Registry ersetzt die Red-Hat-Registries im Internet. Ohne sie gibt es keine Images – sie ist das Herzstück jeder Disconnected-Installation.
Registry klären
- Produkt und URL – Quay, Harbor, mirror-registry o. ä.; vorhanden, vom Kunden bereitgestellt oder vom SE aufzusetzen
- Speicherplatz – mindestens 32 GiB für die Plattform, mit Operator-Katalogen je nach Auswahl bis ~900 GiB
- Zertifikat – kommt das Registry-Zertifikat von einer firmeneigenen CA, muss das CA-Zertifikat dem SE bereitgestellt werden (
additionalTrustBundle) - Zugangsdaten – Push und Pull, Übergabe über sicheren Kanal (Passwort-Manager, verschlüsselte Mail)
Spiegel-Weg
- Bastion-Host – hat Internet und Zugriff auf die Registry, spiegelt direkt
- Air-gapped – mirror-to-disk auf einen Datenträger, dann physischer Transfer
Im Formular festhalten: Bastion-/Mirror-Host (Hostname/IP, OS) und wer den Transfer verantwortet – Kunde oder SE.
Zugänge
- Red-Hat-Pull-Secret – von console.redhat.com, vorhanden oder vom SE mitgebracht
- SSH-Public-Key des SE – darf auf den Cluster-Nodes hinterlegt werden (
sshKey)
Firewall, LDAP und Betrieb
Erreichbarkeiten für den Installationstag, optionale LDAP-Anbindung ab Day 1 und die Absprachen für den späteren Betrieb.
Firewall-Freigaben
| Verbindung | Port |
|---|---|
| Alle Nodes → lokale Registry | 443 bzw. registrierter Port |
| Admin-Workstation SE → API-Endpunkt | 6443 |
| SE → Nodes (während der Installation) | 22 (SSH) |
| Cluster → LDAP-Server (falls LDAP) | 636 (LDAPS) bzw. 389 |
Besonderheiten wie Proxy, spezielle Freigabeprozesse oder Sicherheitsauflagen (z. B. BSI) gehören ins Formular – vor dem Termin, nicht als Überraschung währenddessen.
Optional: LDAP-Anbindung ab Day 1
Nur relevant, wenn Benutzer-Login über LDAP/IdM gewünscht ist. Der Service-Account braucht ausschließlich Leserechte – mehr Rechte sind ein unnötiges Risiko.
- LDAP-Server (FQDN) und Port – Standard LDAPS: 636
- Base-DN – Benutzer-Suchbasis
- Bind-DN des Service-Accounts, Passwort über sicheren Kanal
- Login-Attribut – meist
uid - CA-Zertifikat des LDAP-Servers wird bereitgestellt
Updates und Wartung
- Wartungsfenster festlegen (z. B. Sa 22–02 Uhr) und klären, wer Updates verantwortet – Kunde, SE oder gemeinsam
- etcd-Backups brauchen einen externen Ablageort – ein Backup, das nur auf dem Cluster liegt, ist keins
- Updates disconnected: entweder lokaler OpenShift Update Service (OSUS) oder manuelle Updates per Digest
Checkliste vor dem Installationstermin
Die Punkte aus dem Formular in sinnvoller Reihenfolge. Alles muss abgehakt sein, bevor der Termin bestätigt wird – die Unterschrift beider Seiten macht es verbindlich.
Die drei Phasen auf einen Blick
- Phase A · FestlegenSchritte 1–2: Eckdaten und Hardware final.
- Phase B · BereitstellenSchritte 3–5: DNS, Netzwerk und Registry stehen und sind getestet.
- Phase C · ÜbergebenSchritte 6–7: Zugänge sicher übergeben, Freigabe unterschreiben.
Phase A · Festlegen
Schritt 1 · Formularabschnitte B–H vollständig und geprüft
Cluster-Name, Base Domain und Zielversion sind das Fundament – spätere Änderungen ziehen DNS und Zertifikate nach sich. Topologie und Methode müssen zur Umgebung passen (disconnected → Agent-based oder UPI).
Schritt 2 · Hardware steht, Boot per ISO/PXE möglich
Pro Node: Hostname, Rolle, MAC, IP, Install-Disk. Zusätzlich muss der Zugang über Remote-Konsole/BMC funktionieren – ohne Boot-Möglichkeit beginnt die Installation gar nicht erst.
Phase B · Bereitstellen
Schritt 3 · DNS-Records angelegt und in beide Richtungen getestet
api, api-int, *.apps plus A- und PTR-Records aller Nodes. Der Test in beide Richtungen ist der wichtigste Einzelpunkt der ganzen Liste – fehlende PTR-Records fallen sonst erst nach der Installation auf.
# Forward und Reverse für jeden Node prüfen
dig api.mycluster.myorg.com
dig -x <node_ip>
Schritt 4 · NTP erreichbar, IP-Vergabe final
Der lokale NTP-Server muss von allen Cluster-Nodes erreichbar sein – ohne saubere Zeit scheitern Zertifikatsprüfungen. DHCP-Reservierungen bzw. statische IP-Daten sind final, keine „klären wir noch"-Einträge.
Schritt 5 · Registry erreichbar, Speicherplatz und CA geklärt
Alle Nodes erreichen die Registry auf Port 443. Speicherplatz ist gegen die Operator-Auswahl gerechnet (32 GiB bis ~900 GiB), das CA-Zertifikat liegt dem SE vor. Der Spiegel-Weg (Bastion oder mirror-to-disk) ist entschieden und der Transfer-Verantwortliche benannt.
Phase C · Übergeben
Schritt 6 · Zugangsdaten und Pull-Secret sicher übergeben
Registry-Credentials, Pull-Secret und ggf. LDAP-Service-Account-Passwort gehen über den vereinbarten sicheren Kanal – nie per unverschlüsselter Mail. Der SSH-Key des SE ist zur Hinterlegung freigegeben.
Schritt 7 · Freigabe unterschreiben
Kunde bestätigt die Richtigkeit der Angaben, SE die technische Prüfung (Abschnitt M des Formulars). Offene Punkte und Abweichungen stehen in den Bemerkungen – nicht im Kopf einzelner Beteiligter.